Staatsanwaltschaft zieht in die Lammstraße

Veröffentlicht in Badische Neueste Nachrichten von Wolfgang Voigt

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe zieht um. Voraussichtlich Anfang kommenden Jahres, möglicherweise aber auch schon vor Weihnachten, packen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ermittlungsbehörde Akten und Computer in Umzugskisten und verlassen ihren angestammten Dienstsitz in der Karlsruher Akademiestraße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Landgericht. Ihr künftiges Domizil befindet sich nur wenige hundert Meter weiter südöstlich. Neuer Dienstsitz der Strafverfolgungsbehörde wird die Lammstraße 19. Das repräsentative Gebäude westlich des ECE-Centers wird für die Erfordernisse der Staatsanwaltschaft gerade umfassend renoviert und umgebaut. So erhält es unter anderem neue Fenster und einen gesicherten Zugang per Personenschleuse.

Elektronische Akte fordert Tribut

Grund für den Standortwechsel: Der Betrieb der elektronischen Akte ist im bisherigen Dienstgebäude nicht gewährleistet, wie Behördensprecher Manuel Graulich gegenüber dieser Redaktion erläutert. Sämtliche Datenleitungen müssten demnach ausgetauscht werden – eine Mammut-Operation. Nach gesetzlichen Vorgaben muss die elektronische Akte bis 2026 eingeführt werden. Dies sei Anlass gewesen, nach einem neuen Objekt Ausschau zu halten. Ähnlich äußerte sich auf Nachfrage das Stuttgarter Justizministerium.

Auch vom künftigen Standort aus in der südlichen Lammstraße seien Amts- und Landgericht zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar, betont Aniello Ambrosio, der Sprecher von Justizministerin Marion Gentges (CDU), gegenüber dieser Redaktion. Mit dem anstehenden Umzug werden die Aktivitäten der Anklagebehörde von den bisherigen zwei Standorten auf einen einzigen konzentriert; Platzprobleme scheinen angesichts der Gebäudegröße am künftigen Standort nicht zu erwarten.

Für das bisherige Domizil der Anklagebehörde in der Akademiestraße 6–8 ist laut Finanzministerium eine umfassende Sanierung vorgesehen. Zu einem späteren Zeitpunkt sei dort die Unterbringung von Teilen des Amtsgerichts geplant, erklärt Ministeriumssprecher Sebastian Engelmann. Für das Gebäude Akademiestraße 1 gebe es noch keine konkreten Pläne.

Markante Immobilie in Karlsruhe mit Geschichte

Die künftige Immobilie der Staatsanwaltschaft in der Lammstraße wurde in den 1870er-Jahren als Generaldirektion der Badischen Staatseisenbahnen errichtet und steht unter Denkmalschutz. Bis 2022 nutzte sie die Deutsche Bahn. Als besondere Attraktion des Hauses gilt der dortige Paternoster.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte der in Freiburg ansässige Immobilienentwickler Hans-Peter Unmüßig die Traditionsimmobilie mit 7.500 Quadratmetern Mietfläche von einer privaten Eigentümergemeinschaft erworben. Jetzt modernisiert UNMÜSSIG das Gebäude entsprechend den Anforderungen der Staatsanwaltschaft und vermietet es dem Land.

Die Arbeiten umfassen nicht nur eine zeitgemäße Solar- und Wärmetechnik. Auch die für die Anklagebehörde unabdingbaren Datenleitungen mit der entsprechenden Übertragungsleistung werden eingebaut. Zum Entwicklungskonzept des Gebäudes gehört die Sanierung des Dachgeschosses. Dort sollen weitere rund 1.150 Quadratmeter loftartige Büroflächen entstehen.

Staatsanwaltschaft Karlsruhe ist die zweitgrößte Anklagebehörde im Land

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ist die zweitgrößte Anklagebehörde in Baden-Württemberg. Bei ihr sind derzeit 163 Personen beschäftigt, drei Viertel der Mitarbeitenden sind Frauen. Dem Leitenden Oberstaatsanwalt Jürgen Gremmelmaier als Chef der Behörde unterstehen in den Ermittlungsabteilungen drei Oberstaatsanwältinnen und fünf Oberstaatsanwälte als Abteilungsleiter.

Weiterhin umfasst die Behörde drei Erste Staatsanwältinnen, sieben Erste Staatsanwälte sowie weitere 38 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte. Außerdem sind dort sechs Oberamtsanwältinnen und ein Amtsanwalt tätig. Hinzu kommen elf Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger sowie 87 Beamtinnen und Beamte im mittleren Dienst und Angestellte.

Immobilienentwickler UNMÜSSIG hat das Motel One an der Kriegsstraße gebaut, zu seinem Portfolio zählt außerdem das ehemalige Postscheckamt ebenfalls an der Kriegsstraße schräg gegenüber dem Badischen Staatstheater. Auch dieses Gelände will der Immo-Unternehmer neu bebauen. Das dort angrenzende Markgräfliche Palais wird gegenwärtig neu errichtet. Bauherrin ist dort die PSD-Bank.

UNMUESSIG – Visionen gestalten. Werte entwickeln.