Denk‘ ich an Europa…

In Kooperation mit dem Stadtkurier Freiburg schalten wir unter der Rubrik "Denk' ich an Europa..." Statements Freiburger Bürger. Jeden Donnerstag vom 07. März bis 23. Mai 2019.

Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld
Professor für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
und Walter Eucken Institut

Die europäische Integration begann als Friedensprojekt. Von Europa sollte kein Krieg mehr ausgehen. Dieses Narrativ hat weiterhin Bestand, bedarf aber der Aktualisierung. Kritiker behaupten nämlich, dass aktuelle Auseinandersetzungen zwischen Europäern im Zuge von Schulden- und Migrationskrise Besorgnis erregten.

Hinter den Problemen der Schuldenkrise stecken viele Ursachen, nicht zuletzt die Finanzkrise. Heute erkennen die Bevölkerungen der Programmländer mehrheitlich an, dass ihre Mitgliedschaft in der EU eher von Vorteil für die Bewältigung der Krise war. Die Rahmenbedingungen der Währungsunion müssen so ausgestaltet sein, dass die Mitgliedstaaten durch eine bessere Wirtschafts- und Finanzpolitik aus eigener Kraft dafür sorgen, in Zukunft nicht mehr auf die Hilfe anderer Mitgliedstaaten angewiesen zu sein.

Die Migrationskrise hat hingegen aufgedeckt, dass nur mehr Europa in der heutigen globalisierten Welt weiterhilft. Die EU benötigt zukünftig eine stärkere gemeinsame Sicherheitspolitik in den Bereichen Verteidigung, Innere Sicherheit und Schutz der Außengrenzen. Dies ist in erster Linie eine Frage der Kompetenzzuordnung, allenfalls in zweiter Linie braucht es dafür mehr Geld.

Gerade durch die erfolgreiche Krisenbewältigung zeigt sich das Wohlstandsversprechen der EU – ohne die Illusion einfacher Lösungen, dafür auf Basis eines tragfähigen Gerüsts.